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06.07.2016

PORTRAIT OF THE WEEK: Der Gentleman mit Pfeife

Ende April ernannte die Swiss PGA den 71-jährigen Maurice Bembridge zu ihrem Ehrenmitglied. Es gab Standing Ovations für den kleinen Mann mit dem verknitterten, sonnengebräunten Gesicht. Verdienterweise, denn der Engländer, der die Ostschweiz vor mehr als einem Vierteljahrhundert zu seiner Wahlheimat erkoren hat, hat vor allem in jungen Jahren Großes geleistet. Neunmal siegte er auf der European Tour, in den Sechziger- und Siebzigerjahren spielte er viermal im Ryder Cup.

2016: EHRUNG BEI SWISS SENIORS
Vergangenen Sonntag wurde der „Gentleman mit der Pfeife“ bei der Preisverteilung der 20. Swiss Seniors Open erneut geehrt: Er hat als einziger Spieler alle bisherigen European-Senior-Tour-Events in Bad Ragaz bestritten. Zu seinen Highlights beim Heimturnier zählten der zweite Rang 1998 sowie das mit einem Kilogramm Gold versilberte Hole-in-One in der Schlussrunde 2006. Und als er vor vier Jahren die erste Turnierrunde an der Seite von Gary Player (Südafrika) und Sir Bob Charles (Neuseeland) spielte, waren 253 Turniersiege auf der Teebox vereint – aber nur ein Ryder-Cup-Spieler.

Maurice Bembridge spricht mit sanfter Stimme, von seinen eins­tigen Erfolgen, den glorreichen Tagen und triumphalen Runden erzählt er nur, wenn er dazu aufgefordert wird. Mit seiner bescheidenen und überlegten Art ist er bei Zuschauern und Spielern gleichermaßen beliebt. Neun Jahre lang gehörte er dem Senior-Tour-Komitee an, zwischen 2007 und 2011 stand er diesem auch vor. Vor zwei Jahren hat Bembridge sich vom Tour-Leben zurückgezogen, seither nur noch das Turnier in der Schweiz gespielt. Im OSGC Niederbüren ist er aber noch als Golflehrer aktiv.

1973: VIER RUNDEN IM MUIRFIELD
Bembridge ist auf wohltuende Art „old school“: höflich, klassisch gekleidet – ein Wollpullover ist ihm lieber als eine Multifunktionsjacke –, den Ryder Cup hoch haltend. Fällt das Stichwort „Muirfield, 1973“, leuchten die Augen des 71-Jährigen. In jenem Ryder Cup war Bembridge viermal auf Jack Nicklaus – damals bereits 14-facher Major-Sieger – getroffen. Captain Bernard Hunt hatte den damals 28-jährigen Bembridge am Starttag in beiden Doppel gegen Nicklaus und Arnold Palmer aufgestellt. Das Foursome am Morgen verloren Bembridge und Eddie Polland, an der Seite von Brian Huggett schlug der Mann aus Worsop die beiden US-Legenden am Nachmittag 3&1. Am Schlusstag teilten Bembridge und Nicklaus das Vormittagsmatch. „Ich freute mich auf den Nachmittag – eine weitere Chance, Nicklaus zu schlagen“, erinnert sich Bembridge an seine Gedanken von jenem Septembertag 1973. Die Nachmittagspartie wogte hin und her, „nach 15 Löchern war ich eins auf, auf der 16 lochte Nicklaus einen Monsterputt“. Das Par-5 17 erreichte Nicklaus in zwei Schlägen, Bembridges Länge reichte dafür nicht aus. „Es war ein großartiges Match“, freut sich Bembridge und bestätigt, dass Nicklaus’ Lob, das wörtlich lautete: „Hey, you son of a bitch. You really can play this game.“

64 SCHLÄGE IN AUGUSTA NATIONAL
Ein halbes Jahr später schrieb Bembridge erneut Golfgeschichte. Bei seinem zweiten Antreten beim US Masters spielte er in der Schlussrunde groß auf. 34 Schläge auf der ersten Parcourshälfte waren eine solide Basis. Dann startete der Engländer auf den Backnine ein Birdie-Feuerwerk. Ohne zu realisieren, dass er dabei war, den Platzrekord von 64 Schlägen einzustellen. „Ich wollte meinen Score unbedingt in den roten Zahlen halten, um mir das Startrecht fürs folgende Jahr zu sichern.“ Dieses Ziel vor Augen spielte Bembridge auf der zweiten Rundenhälfte sechs Birdies und machte nur elf Putts. „Ich war so voller Adrenalin, realisierte nicht, dass ich den Platzrekord eingestellt hatte.“ Ärgerlich, dass er nun zum Interview musste – „ich hatte Wichtigeres zu tun, wollte den Flug nach Newark und weiter nach London und Madrid zu den Spanish Open erwischen.“ Der Platzrekord von 64 Schlägen sollte nach 1974 noch zwölf Jahre Bestand haben. Mittlerweile weiß Maurice Bembridge genau, was er an jenem Tag geleistet hat. Er erinnert sich an jedes Detail der Runde – und es hat etwas Magisches, die Geschichte aus dem Mund des Protagonisten zu hören.

(von Mirjam Fassold)


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